Geschichte:

Die Gründung des Mittendorff- Instituts geht auf eine Spende  des Herrn Robert Mittendorff zurück, der seinem Neffen Dr. med. Peter Sack Geldmittel gab, um herzkranke Patienten beim Bergsport zu untersuchen. Dr. med. Peter Sack, der  in München eine Praxis als Kardiologe betrieb, war immer wieder fasziniert davon, wenn von ihm betreute Herzpatienten von großen Bergtouren berichteten ohne offensichtlich Schaden genommen zu haben. Darunter waren auch Besteigungen von Viertausendern. Der Bergsport schien also unter Beachtung gewisser Vorsichtsmaßnahmen ein idealer Gesundheitssport zu sein. So entstand das Konzept einer kardiologisch-sportmedizinischen Untersuchungsstelle in Berchtesgaden zur Erforschung der Wirkung des Bergsports auf Gesunde und Kranke.

Vorstandsgeschichte:

Der gemeinnützige Verein Mittendorff – Institut wurde 1975  von Dr. med. Peter Sack , Kardiologe u. Internist in München ins Leben gerufen und beim Amtsgericht München angemeldet. Erster Vorsitzender war Herr Professor Dr. med. Herbert Nowy, Kardiologe an der Poliklinik der Universität München  während Dr. med. Peter Sack 2.Vorsitzender war.

Gründungsmitglieder waren: Dr. med. Peter, Frau  Renate Sack, Prof. Dr. med. Herbert Nowy, Frau Nowy, Frau Dr. med. Reger-Nowy, Herr RA Günther Daaam Weiss, und Herr Joachim Völkl. 

1988 wurde Herr Professor Dr. med. Herbert Nowy zum Ehrenvorsitzenden gewählt. 1. Vorsitzender wurde Herr Dr. med. Peter Sack und 2. Vorsitzender Herr Dr. med. Helmut Langhof, Kinderarzt-Sportmedizin.

1991 wurde der bisherige 2. Vorsitzende Dr. med. Helmut Langhof 1. Vorsitzender, 2. Vorsitzender wurde Herr Dr. med. Reiner Morawa, Internist, Pneumologe-Sportmedizin, Schatzmeister Dr. med. Hatto Graf.

Bis Ende 2013 blieb die Vorstandschaft unverändert. Am 30 12.2013 wurde der Sportwissenschaftler Torsten Vetters 2.Vorsitzender.

Inhaltliche Entwicklung:

Ursprüngliches Hauptziel von Vereinsgründer Dr. Sack war die möglichst lückenlose kardiologische Überwachung von herzkranken aber auch herzgesunden beim Bergsport (Bergwandern, Klettern) mittels EKG – Telemetrie. In beispielloser Weise meisterte Dr. Sack alle technischen Hürden u.a. durch Zusammenarbeit mit der Firma MBB, sodass es letztlich gelang ein lupenreines EKG von Probanden über eine Entfernung von bis zu 20 km auf die  Monitore des Forschungslabors in der Oberau zu übertragen (die Methode der EKG-Telemetrie war der Raumfahrt entlehnt).

Diese in Deutschland und wahrscheinlich auch Europa einmalige Möglichkeit erlaubte die kontinuierliche Kontrolle des EKG`s von Patienten oder gesunden Probanden bei der Ausübung des Bergsports ( Erregungsausbreitungs- oder Rückbildungsstörungen oder Herzrhythmusstörungen konnten so aktuell erfasst werden).

Ergänzt wurde die Telemetrie durch oxymetrische Messungen der Lungenohrzeit nach einer Apnoephase  - ein Parameter, der eine Aussage erlaubte über die Pumpfunktion des Herzens (vor der Ära der Echokardiographie).

Bei vermeintlich Gesunden konnten so Störungen der Herzfunktion entdeckt werden, die unter Laborbedingungen (Belastung-EKG)  nicht immer herauszuarbeiten waren. Umgekehrt wurden bergbegeisterte kardiologische Patienten laufend auf einer Bergtour überwacht, die bis zum Watzmannhaus gehen konnte (1200 Höhenmeter!). Extrembeispiel einer Telemetrie war die Übertragung der EKG`s von 2 Bergsteigern bei der Durchsteigung der Watzmannostwand ( Publikation 1978). 

Im Zeitraum von 1976 bis 1988 wurden so Hunderte von Patienten, Kurgästen und gesunden Probanden telemetriert. Diese Telemetrien dienten der Erforschung von Belastung und Belastbarkeit beim Bergsport bei Herzgesunden und Herzkranken. Hintergrund dieser Bemühungen war die Erkenntnis, dass an zweiter Stelle der Bergwachteinsätze die Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche stehen – bis hin zu plötzlichen Todesfällen beim Bergsport.

1988 und 1989 erfolgten EKG-Telemetrien an asthmakranken Kindern der Kinderkurklinik Schönsicht beim Bergwandern bzw. im Vergleich zu einer Laufbelastung. Es ging um die Frage, inwieweit Asthmakinder beim (Berg)-Sport belastet werden können. Fazit all dieser Untersuchungen war, dass diese Kinder Bergwandern wesentlich besser tolerierten als eine Laufbelastung. Auch die Belastbarkeit extrem adipöser Kinder wurde telemetrisch untersucht u.a. beim Skilanglauf.

Parallel zu diesen Untersuchungen war von 1987 an das Wandern von Kurärzten mit Kurgästen initiert worden, wobei begleitend Pulsfrequenz und Blutdruck gemessen wurde und die Ergebnisse anschließend ausgewertet wurden und mit den Teilnehmern individuell besprochen wurden. Die wissenschaftliche Grundlage für eine Weiterentwicklung dieser     Bemühungen zum Berchtesgadener Bergwanderkonzept mit seinem Herzstück, dem Alpinen TerrainTraining (ATT) lieferte die Zusammenarbeit mit dem Institut für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München, ärztlicher Direktor Herr Professor Dr. med. Dieter Jeschke. In einer Diplomarbeit wurde der Sinn des herzfrequenzgesteuerten Bergwanderns (mit Pulsuhr) herausgearbeitet.

In den Folgejahren konnten 7 Herz-Kreislauf -Testwanderstrecken in den 5 Gemeinden des heilklimatischen  Kurgebietes etabliert werden. Auf diesen nach Länge und Höhendifferenz vermessenen Strecken erfolgen seitdem sog. Pulsuhrwanderungen, die vom Tourismusverband Berchtesgaden-Königsee organisiert werden. Ansprechstelle: Gesundheitsreferentin in der Watzmanntherme.

Es folgte als weitere Entwicklung des Berchtesgadener Gesundheitsangebotes 1996 die Ausarbeitung und Etablierung der 3-wöchigen Kompaktkur , Cardiovaskuläre Vorsorge“, eines Präventivangebotes aus Bergwandern mit Pulsuhren, Gesundheitsvorträgen, Entspannungs- und Regenerationseinheiten für Menschen mit funktionellen Herz- Kreislaufstörungen, Grenzwerthypertonie,  mäßiger Adipositas bzw. allgemeinem Trainingsmangel. Ansprechstelle: Gesundheitsreferentin in der Watzmanntherme.

Ab dem Jahr 2000 erfolgten  sportärztliche Weiterbildungskurse durch den Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München , Univ. Prof. Dr. med. Dieter Jeschke in Berchtesgaden, die in Zusammenarbeit mit Dr. med. Helmut Langhof, Mittendorff-Institut Berchtesgaden-Oberau durchgeführt wurden (örtliche Organisation). Später erfolgten diese Kurse im Asthmazentrum Berchtesgaden  in  Kooperation mit dem Mittendorff-Institut und der orthopädischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Berchtesgaden. Nach wie vor blieb die Anbindung an das Institut für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München erhalten.

Im Jahr 2000 auch Start der Doktorarbeit „Belastungsprofile von Bergwandertouristen in der Region Berchtesgaden – ein Beitrag zur Belastungsdosierung und Risikominimierung beim Bergwandern“, Doktorandin Frau Veronika Allertseder, Doktorvater Herr Professor Dr. med. Hüllemann, Chefarzt der Klinik St. Irmingard in Prien (Fertigstellung 2004).

2003 Umzug des Funktionslabors von Berchtesgaden-Oberau nach Berchtesgaden Bayerstrasse 3.

Die Ära der möglichen  EKG- Telemetrie war damit zu Ende. Das Vereinsinteresse wandte sich der neuen Möglichkeit der mobilen Spiroergometrie zu (erste Erprobung der Methode 2001).                      

Nach Anschaffung eines Gerätes zur mobilen Spiroergometrie Suche nach universitären Kooperationspartnern, die an der Betreuung von bergsportmedizinischen Diplom- oder Doktorarbeiten interessiert waren.

2007 erste Kontakte zu Herrn Professor Dr. med. Hans-Volkhart Ulmer, Facharzt für Physiologie  am Institut für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg Universität Mainz.

In den Folgejahren entstand in einer Kooperation zwischen dem Institut für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, der Klinik Schönsicht Berchtesgaden und dem Mittendorff-Institut eine Reihe von Diplomarbeiten bzw. Prüfungsarbeiten. Hauptziel dieser Arbeiten waren spiroergometrische Messungen des Energieverbrauchs adipöser Kinder beim Bergwandern bzw. Skilanglauf. Aspekte der Zucker- bzw. Fettverbrennung wurden berücksichtigt. Diese Arbeiten waren Grundlagenarbeiten, zumal selbst in der internationalen Literatur derartige Messungen nicht zu finden waren.

2011 Ausrichtung des 5. Internationalen Höhensymposiums in Berchtesgaden durch das Mittendorff-Institut in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei (Thomas Lobensteiner, Trainingszentrum Kühroint) und der Universität Aachen, Prof. Dr. med. Thomas Küpper, der Universität Mainz, Prof. Dr. med. Hans-Volkhart Ulmer sowie Dr. med. M. Tannheimer vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Die Teilnehmer .bzw. Referenten waren aus 11 verschiedenen Nationen. Alle Beiträge (45) wurden veröffentlicht. 

2011  erfolgten erste Planungen einer Projektes: Etablierung von Skitourenstrecken für Neueinsteiger wieder in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz, Herr Professor Dr. med. H.-V. Ulmer.

2012 praktische Durchführung der Testdurchgänge für die Diplomarbeit „Taktikprogramm für Skitoureneinsteiger“ unter wesentlicher organisatorischer und finanzieller Mithilfe des Mittendorff-Instituts bzw. des ersten Vorsitzenden. Als erste Teststrecke wurde die Route Oberau – Roßfeldskihütte gewählt, wobei eine kontinuierliche Überwachung mit Pulsspeicheruhren erfolgte. Einzelheiten sind in der Diplomarbeit von Herrn Chronopoulos (6/2012)enthalten.

Weitere geplante Teststrecken sind: zum Hochscharzeck, am Götschen und eventuell auch am Predigtstuhl. Ähnlich wie beim Bergwandern mit Pulsuhren soll ein angeleitetes dosiertes Training für Skitourenanfänger angeboten werden.

 2014 wird die erste Teststrecke Oberau-Roßfeld eröffnet. Das Mittendorff-Institut wird das nötige sportmedizinische und trainingswissenschaftliche Know how beisteuern und fachgerecht umsetzen. Eingebunden werden sollen örtliche Skischulen, Bergführer und Medizinische Trainingstherapeuten (diese für Skibergsteigen als Sporttherapie bei Patienten nach Voruntersuchung).